Photovoltaik

Eigenverbrauch statt Einspeisung: Rückvergütung zum Marktpreis ab 2026

Mit dem neuen Stromgesetz hat sich die Rechnung für Solaranlagen verschoben: Eingespeister Strom bringt oft nur noch wenige Rappen, selbst genutzter Strom spart den vollen Netztarif. Wer seinen Eigenverbrauch kennt und steuert, verdient am meisten.

Von Andreas Meyer, CTO, BSc Energie- und Umwelttechnik · 6 Min. Lesezeit
Monteur von Dimension Solaire verkabelt eine Photovoltaikanlage

Was seit 2026 gilt

Am 9. Juni 2024 hat die Stimmbevölkerung das Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien angenommen, oft «Stromgesetz» oder «Mantelerlass» genannt. Erste Teile sind seit dem 1. Januar 2025 in Kraft, die wichtigsten Bestimmungen für Besitzerinnen und Besitzer von Solaranlagen seit dem 1. Januar 2026.

Für Ihre Anlage sind vor allem drei Punkte relevant (Stand Oktober 2026):

  • Harmonisierte Rückliefervergütung: Der Netzbetreiber vergütet eingespeisten Strom grundsätzlich zum vierteljährlich gemittelten Marktpreis (Referenzmarktpreis). Früher legte jedes Elektrizitätswerk seinen eigenen Tarif fest – die Unterschiede waren gross.
  • Minimalvergütung für kleinere Anlagen: Damit kleinere Anlagen nicht vollständig vom Marktpreis abhängen, sieht das Gesetz eine Minimalvergütung vor, deren Höhe der Bundesrat festlegt. Welcher Tarif für Ihre Anlage konkret gilt, prüfen Sie am besten direkt bei Ihrem Netzbetreiber – wir tun das in jeder Offerte.
  • Neue Formen der gemeinsamen Nutzung: Neben dem bewährten Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) gibt es den virtuellen ZEV (vZEV) und seit 2026 lokale Elektrizitätsgemeinschaften (LEG). Mehr dazu im Artikel ZEV, vZEV und LEG.

Zudem darf der Netzbetreiber die Einspeisung am Anschlusspunkt in Spitzenzeiten begrenzen – nach heutigem Stand höchstens einen kleinen Anteil, bis zu rund 3 % der Jahresproduktion. Für gut geplante Anlagen ist das kaum spürbar, es ist aber ein weiterer Grund, Mittagsspitzen selbst zu nutzen statt ins Netz zu schieben.

Warum jede selbst genutzte Kilowattstunde mehr wert ist

Der Marktpreis schwankt stark. Im Sommer, wenn alle Solaranlagen gleichzeitig produzieren, liegt er über Mittag oft nur bei wenigen Rappen pro Kilowattstunde. Netzstrom dagegen kostet Haushalte ein Mehrfaches, weil darin neben der Energie auch Netznutzung, Abgaben und Gebühren stecken. Genau diese Kosten sparen Sie bei jeder Kilowattstunde, die Sie selbst verbrauchen.

Wert einer Kilowattstunde Solarstrom – Annahmen unserer Rechner
VerwendungWert pro kWh
Eingespeist (Mittelwert Rückliefervergütung, Annahme)7 Rp.
Selbst verbraucht – Strompreis tief25 Rp.
Selbst verbraucht – Strompreis mittel27 Rp.
Selbst verbraucht – Strompreis hoch38 Rp.

Selbst im tiefen Szenario ist eine selbst genutzte Kilowattstunde damit rund 4-mal so viel wert wie eine eingespeiste. Die Rendite einer Solaranlage hängt deshalb heute weniger von der Rückliefervergütung ab als davon, wie viel Strom Sie im eigenen Haus verwenden.

Rechenbeispiel: 10 kWp auf einem Einfamilienhaus

Wie stark der Eigenverbrauch die Wirtschaftlichkeit beeinflusst, zeigt ein Beispiel mit den Annahmen unseres Solarrechners: Anlage mit 10 kWp, rund 10 000 kWh Jahresertrag im Mittelland, Strompreis mittel (27 Rp./kWh), Rückliefervergütung 7 Rp./kWh, Pronovo-Einmalvergütung berücksichtigt, ohne Steuerabzug.

10-kWp-Anlage, Haushalt 4 500 kWh/Jahr – Richtwerte, gerundet
SituationEigenverbrauchEigenverbrauchsquoteAutarkieNutzen Jahr 1Amortisation
Haushalt 4 500 kWh1’710 kWh16 %38 %CHF 87018.9 Jahre
+ E-Auto 12 000 km/Jahr2’940 kWh28 %45 %CHF 1’11914.5 Jahre
+ E-Auto + Speicher 10 kWh5’100 kWh49 %78 %CHF 1’49614.1 Jahre

Der Haushalt allein nutzt nur gut einen Viertel des Solarstroms – typisch für ein Einfamilienhaus ohne weitere Verbraucher. Mit einem E-Auto, das tagsüber mit Überschuss geladen wird, steigt der Eigenverbrauch deutlich und die Amortisation verkürzt sich. Ein Speicher erhöht Eigenverbrauch und Autarkie zusätzlich, kostet aber auch zusätzlich – ob er sich rechnet, zeigt unser Artikel Lohnt sich ein Batteriespeicher?.

Das Modell ist bewusst vereinfacht. Für eine verbindliche Aussage berücksichtigen wir Ihr Lastprofil, die Dachausrichtung und die Tarife Ihres Netzbetreibers.

Die fünf wirksamsten Hebel für mehr Eigenverbrauch

Ohne Speicher nutzen Einfamilienhäuser erfahrungsgemäss 25–35 % ihres Solarstroms selbst. Mit den richtigen Verbrauchern und einer intelligenten Steuerung sind deutlich höhere Werte möglich – mit Speicher bis rund 70 %.

  1. Wärmepumpe mit SG-Ready: Die Wärmepumpe ist im Haushalt oft der grösste Stromverbraucher. Über die SG-Ready-Schnittstelle startet sie bei Solarüberschuss, heizt den Warmwasserspeicher oder das Gebäude etwas stärker auf und speichert so Sonnenenergie als Wärme.
  2. E-Auto mit Überschussladen: Eine Ladestation mit Energiemanagement lädt dann, wenn das Dach mehr produziert, als das Haus braucht. Wer tagsüber zu Hause oder im Homeoffice ist, profitiert am meisten.
  3. Warmwasser: Ein Wärmepumpenboiler oder ein Heizstab mit Überschusssteuerung nutzt Mittagsstrom für das Warmwasser – einfach und günstig nachrüstbar.
  4. Batteriespeicher: Er verschiebt Mittagsstrom in den Abend. Sinnvoll vor allem, wenn abends und nachts viel verbraucht wird. Den passenden Wert berechnet unser Speicher-Assistent.
  5. Gewohnheiten und Zeitschaltung: Geschirrspüler, Waschmaschine und Tumbler mit Startzeit-Vorwahl über Mittag laufen lassen. Das kostet nichts und bringt jedes Jahr einige hundert Kilowattstunden.

Mehrfamilienhaus und Nachbarschaft: Strom gemeinsam nutzen

In Mehrfamilienhäusern ist der Eigenverbrauch hoch, weil viele Parteien gleichzeitig Strom brauchen. Mit einem ZEV oder vZEV verkaufen Eigentümer den Solarstrom direkt an Mieterinnen oder Stockwerkeigentümer – zu einem Preis unter dem Netztarif. Seit 2026 können sich zudem Produzenten und Verbraucher im gleichen Quartier zu einer LEG zusammenschliessen und dabei das öffentliche Netz zu reduzierten Netznutzungstarifen verwenden. Die Details klären wir mit Ihnen und dem Netzbetreiber.

Was das für die Grösse Ihrer Anlage bedeutet

Lohnt es sich unter diesen Bedingungen noch, das ganze Dach zu belegen? In den meisten Fällen ja – aus drei Gründen:

  • Der Preis pro kWp sinkt mit der Grösse. Fixkosten wie Gerüst, Planung und Anschluss verteilen sich auf mehr Leistung (siehe Photovoltaik-Kosten 2026).
  • Die Pronovo-Einmalvergütung wird pro kWp ausbezahlt und senkt die Investition für jedes zusätzliche Modul.
  • Der Bedarf wächst: Wärmepumpe, E-Auto oder Klimaanlage kommen oft erst später dazu. Eine grössere Anlage ist dafür bereits gerüstet.

Anders sieht es bei Dachflächen mit schlechter Ausrichtung oder starker Verschattung aus: Hier rechnen wir genau, ob sich die zusätzlichen Module noch tragen. Als Faustregel planen wir so, dass die Jahresproduktion den Jahresverbrauch übersteigt – begrenzt durch die verfügbare Dachfläche.

Eigenverbrauch und Amortisation für Ihr Haus berechnen

So gehen Sie vor

  1. Stromverbrauch der letzten zwei Jahre von der Rechnung notieren – idealerweise mit Tag- und Nachtanteil.
  2. Geplante Verbraucher der nächsten Jahre auflisten: Wärmepumpe, E-Auto, Klimaanlage, Pool.
  3. Mit unserem Solarrechner eine erste Einschätzung machen.
  4. Offerte anfragen: Wir prüfen Dach, Tarife und Lastprofil und zeigen Varianten mit und ohne Speicher.

FAQ

Häufige Fragen

Wie viel bekomme ich ab 2026 für eingespeisten Solarstrom?

Seit 2026 vergütet der Netzbetreiber eingespeisten Strom grundsätzlich zum vierteljährlich gemittelten Marktpreis. Für kleinere Anlagen gilt zusätzlich eine vom Bundesrat festgelegte Minimalvergütung. Der konkrete Tarif hängt vom Netzbetreiber ab; wir prüfen ihn in jeder Offerte.

Lohnt sich eine Solaranlage trotz tieferer Rückvergütung noch?

Ja, wenn ein guter Teil des Stroms selbst genutzt wird. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart den vollen Netztarif, der ein Mehrfaches der Rückvergütung beträgt. Gut geplante Anlagen amortisieren sich in der Regel in 8 bis 14 Jahren.

Wie hoch ist der Eigenverbrauch ohne Speicher?

Bei Einfamilienhäusern typischerweise 25 bis 35 Prozent. Mit Wärmepumpe, E-Auto und intelligenter Steuerung steigt er, mit einem Batteriespeicher sind bis rund 70 Prozent möglich.

Muss ich meine bestehende Anlage wegen des neuen Gesetzes anpassen?

Nein, bestehende Anlagen laufen weiter. Es kann sich aber lohnen, den Eigenverbrauch nachträglich zu erhöhen, etwa mit einem Speicher, einem Wärmepumpenboiler oder einer Ladestation mit Überschussladen.

Darf der Netzbetreiber meine Einspeisung begrenzen?

Nach dem neuen Recht darf der Netzbetreiber Einspeisespitzen am Anschlusspunkt begrenzen, nach heutigem Stand bis zu rund 3 Prozent der Jahresproduktion. Für die meisten Anlagen ist der Effekt gering, besonders wenn Mittagsstrom selbst genutzt wird.

Autor

Andreas Meyer · CTO, BSc Energie- und Umwelttechnik

Leitet Planung und Projektierung bei Dimension Solaire. Vorher fünf Jahre technischer Vertrieb im Schweizer Solargrosshandel.

Veröffentlicht 21. Oktober 2026

Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026. Gesetzliche Regeln, Tarife und Fördersätze können sich ändern – massgebend sind die Angaben der zuständigen Stellen.

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