Wärmepumpe
Luft/Wasser oder Erdsonde? Der ehrliche Vergleich
Beide Systeme heizen zuverlässig und ohne fossile Energie. Die Erdsonde ist effizienter, die Luft/Wasser-Wärmepumpe günstiger und fast überall möglich. Welche besser zu Ihrem Haus passt, entscheiden Grundstück, Budget und Planungshorizont.
Zwei Wärmequellen, ein Prinzip
Jede Wärmepumpe holt Energie aus der Umgebung und hebt sie mit Strom auf ein Temperaturniveau, das zum Heizen und für Warmwasser reicht. Der Unterschied liegt in der Quelle:
- Luft/Wasser: Ein Aussengerät entzieht der Aussenluft Wärme. Keine Bohrung, schnelle Montage, tiefere Investition. Dafür sinkt die Effizienz an kalten Wintertagen – genau dann, wenn am meisten Wärme gebraucht wird.
- Sole/Wasser mit Erdsonde: Eine oder mehrere Sonden reichen senkrecht ins Erdreich, wo die Temperatur das ganze Jahr ziemlich konstant ist. Das ergibt eine höhere Jahresarbeitszahl, kostet aber mehr und braucht eine kantonale Bewilligung.
- Wasser/Wasser (Grundwasser): Sehr effizient, aber nur möglich, wo nutzbares Grundwasser vorhanden ist und der Kanton die Nutzung bewilligt. Bei Einfamilienhäusern eher die Ausnahme.
Der Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Luft/Wasser | Erdsonde (Sole/Wasser) |
|---|---|---|
| Investition inkl. Montage | CHF 27’500 – CHF 50’000 | CHF 47’500 – CHF 80’000 |
| Jahresarbeitszahl (JAZ) | ca. 3–4 | ca. 4–5 |
| Platzbedarf | Aussengerät im Garten oder an der Fassade, Abstand zu Nachbarn beachten | Bohrplatz für das Bohrgerät, danach praktisch unsichtbar |
| Geräusch | Ventilator hörbar, Lärmschutznachweis nötig | Kein Aussengerät, sehr leise |
| Bewilligung | Je nach Kanton Baugesuch oder Meldung, mit Lärmschutznachweis | Kantonale Bewilligung (Gewässerschutz), nicht überall zulässig |
| Kühlen im Sommer | Aktiv möglich, braucht Strom | «Free Cooling» über die Sonde mit sehr wenig Strom möglich |
| Bauzeit | Wenige Tage | Zusätzlich Bohrung, je nach Untergrund einige Tage |
Die Bohrtiefe einer Erdsonde liegt bei Einfamilienhäusern oft zwischen etwa 100 und 250 Metern, je nach Wärmebedarf, Geologie und Anzahl Sonden. Die genaue Auslegung macht ein spezialisiertes Bohrunternehmen zusammen mit dem Heizungsplaner.
Betriebskosten im Rechenbeispiel
Für dasselbe Haus – 180 m², Baujahr 1980–2000, vier Personen, bisher Ölheizung – haben wir beide Varianten mit den Annahmen unseres Wärmepumpen-Rechners durchgerechnet (Strom 27 Rp./kWh, ohne Solaranlage):
| Kennzahl | Luft/Wasser | Erdsonde |
|---|---|---|
| Wärmebedarf | 23’000 kWh | 23’000 kWh |
| Angenommene JAZ | 3.3 | 4.3 |
| Stromverbrauch | 7’000 kWh | 5’300 kWh |
| Stromkosten | CHF 1’900 | CHF 1’450 |
| Ersparnis gegenüber Öl | CHF 1’220 | CHF 1’660 |
Die Erdsonde spart in diesem Beispiel rund CHF 440 pro Jahr an Stromkosten gegenüber der Luft/Wasser-Wärmepumpe. Die Mehrinvestition liegt – gemessen an der Mitte der Richtwerte – bei rund CHF 25’000, abzüglich allfälliger höherer Förderbeiträge, die einige Kantone für Erdsonden ausrichten. Rein rechnerisch braucht es also viele Jahre, bis sich die Erdsonde über die Stromkosten ausgleicht. Ihr Vorteil liegt deshalb auch in der Langlebigkeit, der Ruhe und der Möglichkeit, im Sommer günstig zu kühlen.
Beide Varianten für Ihr Haus berechnen
Lebensdauer und Regeneration
Das Wärmepumpengerät selbst hält bei beiden Systemen erfahrungsgemäss rund 15 bis 20 Jahre. Die Erdsonde hingegen ist eine Investition für Generationen: Sie wird auf eine Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten ausgelegt und kann beim Geräteersatz weiterverwendet werden. Bei der nächsten Erneuerung fällt dann nur noch das Gerät an.
Wichtig ist eine korrekte Auslegung. Entzieht man dem Boden über Jahre mehr Wärme, als nachströmt, kühlt das Erdreich aus und die Effizienz sinkt. In dicht bebauten Quartieren mit vielen Sonden kann deshalb eine Regeneration sinnvoll sein – zum Beispiel, indem im Sommer Wärme aus dem Haus über das Free Cooling zurück in den Boden geführt wird.
Wichtiger als die Quelle: Gebäude und Vorlauftemperatur
Die Wahl der Wärmequelle wird oft überschätzt. Für die Effizienz zählt mindestens ebenso, mit welcher Vorlauftemperatur das Haus geheizt werden muss. Jedes Grad weniger verbessert die Jahresarbeitszahl spürbar – bei Luft/Wasser genauso wie bei der Erdsonde. Drei Punkte lohnen sich deshalb vor dem Entscheid:
- Heizlast realistisch bestimmen. Eine zu grosse Wärmepumpe taktet häufig und arbeitet ineffizient, eine zu kleine braucht an kalten Tagen den elektrischen Heizstab. Grundlage sind die Verbräuche der letzten Jahre und eine fachgerechte Heizlastberechnung.
- Geplante Sanierungen einbeziehen. Sind neue Fenster oder eine Dachdämmung in den nächsten Jahren vorgesehen, sinkt der Wärmebedarf. Das beeinflusst die Grösse der Wärmepumpe und bei der Erdsonde die Bohrmeter.
- Wärmeverteilung prüfen. Bodenheizungen sind ideal. Bei Radiatoren zeigt ein Test mit abgesenkter Vorlauftemperatur im Winter, ob die Räume warm genug werden.
Bewilligung: was Sie vorab prüfen sollten
- Erdsonde: Prüfen Sie auf der kantonalen Erdwärmenutzungskarte (Geoportal Ihres Kantons), ob Bohrungen an Ihrem Standort zulässig sind. In Grundwasserschutzzonen und bestimmten Gebieten sind sie eingeschränkt oder verboten. Die Bewilligung erteilt die kantonale Fachstelle für Gewässerschutz.
- Luft/Wasser: Das Aussengerät muss die Lärmschutzvorschriften einhalten. Dazu wird in der Regel ein Lärmschutznachweis erstellt. Ob zusätzlich ein Baugesuch oder nur eine Meldung nötig ist, regeln Kanton und Gemeinde unterschiedlich.
- Förderung: Fördergesuche müssen meist vor Baubeginn eingereicht werden. Häufig wird ein Wärmepumpen-System-Modul verlangt.
Checkliste für Ihren Entscheid
Die Erdsonde ist die bessere Wahl, wenn …
- Bohrungen auf Ihrem Grundstück zulässig und zugänglich sind,
- Sie lange im Haus bleiben und auf tiefe Betriebskosten über Jahrzehnte setzen,
- ein Aussengerät wegen Lärm, Platz oder Ästhetik schwierig wäre,
- Sie im Sommer sanft kühlen möchten.
Die Luft/Wasser-Wärmepumpe ist die bessere Wahl, wenn …
- eine Bohrung nicht erlaubt oder unverhältnismässig teuer ist,
- das Budget begrenzt ist oder der Heizungsersatz rasch erfolgen muss,
- das Gebäude gut gedämmt ist und tiefe Vorlauftemperaturen erlaubt,
- ein geeigneter Aufstellort mit genügend Abstand zu Nachbarn vorhanden ist.
Mit Photovoltaik kombinieren
Unabhängig von der Wärmequelle steigert eine Solaranlage den Nutzen der Wärmepumpe: Warmwasser und ein Teil der Heizung in der Übergangszeit laufen mit eigenem Strom, der beim Einspeisen seit 2026 grundsätzlich nur zum Marktpreis vergütet würde. Mit SG-Ready-Schnittstelle oder Energiemanagement schaltet die Wärmepumpe bevorzugt bei Solarüberschuss. Mehr dazu auf unserer Seite Photovoltaik und im Artikel Wärmepumpe: Kosten und Ölheizung ersetzen.
Mehr über unser Angebot lesen Sie auf der Seite Wärmepumpen.